MEISTER – MANIFESTATION DER VOLLKOMMENHEIT
"Einmal Yin - Yang einmal, nennen wir diesen Weg."
"Traktat der Wandlungen“ (Yijing)
Jedes Mal, wenn wir uns auf das Praktizieren vorbereiten, wenden sich unsere Gedanken dem Master zu, und wir danken ihm für das, was er uns gelehrt hat, für die Veränderungen, die er in uns ausgelöst hat, für sein Dasein.Der Meister ist der Weg, den wir beschreiten, ist das Tor zu allem, was wunderbar ist. Er ist Teil unseres Seins, ist unsere innere Vollkommenheit.
Mitgefühl und Reinheit des Meisters sind diejenigen, die uns immer wieder helfen, auch dann, wenn wir uns bei unserer Suche verlaufen haben. Seine Liebe ist vollkommen, weil er selbst vollkommen ist. Der Meister ist jenseits von Yin und Yang, er ist immer in der Mitte der Achse, die das Rad des Yin und Yang dreht.
SCHÜLER UND MEISTER
"Der höhere Mensch verfolget den Weg, sobald er den sieht,
Der durchschnittliche Mensch mal verfolgt, mal verlässt ihn;
Der untere Mensch lacht den Weg aus; weil er darüber lacht, existiert der Weg auch."
Traktat des Weges und der Tugend (Daodejing) - Lao Zi
Der Schüler ist derjenige, der den Ruf des Weges hört, in dem das Anstreben erwacht und der Klang des Rufes ohrenbetäubend ist. Seine Ehrlichkeit ermöglicht ihm, sein Charakter ständig zu formen, "sich auf die Moral zu fokussieren, Moral zu haben, die Moral zu betrachten“. Er versteht die Bedeutung der Lehre und des Lehrers.
Auch wenn er geprüft wir, wenn scheinbar der Meister mit dem Niveau des Schülers nicht zufrieden ist, sollte der Schüler weiter folgsam sein und in der Praxis durchhalten. Die Folgsamkeit des Schülers hat ihre Wurzeln in seinem Glauben, in der Anwendung der Seele um zu verstehen. Er weiß, der Verstand und die materielle Welt sind nur der Schein der Dinge.
Wenn der Schüler diese Trennung pflegt, kann er gleichermaßen die Änderungen des Himmels und der Erde akzeptieren. Es gelingt ihm die Leerung des Herzens vom "Ich“, und er erhält auf diese Weise einen leuchtenden Charakter, dem Feuer ähnlich.
Durch das Erreichen dieser Stufe ist der Schüler für korrekte Handlungen bereit, er versteht, woraus die richtige Anstrengung besteht und hat die Kraft zu verharren in ihr. Nun öffnet der Master die Tür zur Weisheit und unterstützt den Schüler in seiner Praxis.
Die suchende Seele ist die des Schülers. Sie sucht ständig nach der Wahrheit. Auf dieser Reise begegnen ihr Schwierigkeiten und Hilfe. Hinter dem Scheinbaren ist die Führung des Meisters - der bekannten oder unbekannten - diejenige, die eine besondere Bedeutung hat. Der Meister ist die Brücke zwischen der Wahrheit und der Wirklichkeit des Suchenden. Durch ihn zeigt sich deutlich die dem Schüler gegebene Unterstützung in einer Weise, dass der Schüler eine Chance hat, den Master wahrzunehmen, auch wenn nicht direkt.
Des Weiteren, dass Sie eine klarere Vorstellung davon bekommen, wie die daraus resultierende Beziehung zwischen dem Meister und Schüler sich vollzieht, werde ich vom Beginn der Beziehung zwischen Di Yu Ming (als Kind) und einem seinen Meister erzählen, wie er selbst es erzählt hat:
"Der dritte Meister war derjenige, der mich in der "Hand der acht Trigramme“ (Bagua zhang) eingeleitet hat.Er hat mir befohlen, um 5 Uhr morgens in den Park gehen um zu trainieren. Als ich nach Hause kam, sagte ich zu den Eltern:
"Der Meister sagte, ich soll in den Park um 5 Uhr morgens gehen".
Sie erzählten mir, dass in der Vergangenheit ein großer Mann lebte, der einmal einen Unsterblichen traf. Der Unsterbliche hatte den Mann aufgefordert nachts zu kommen zum Üben. Er hat die ganze Nacht nicht geschlafen und zur vereinbarten Zeit ging er zum Unsterblichen. Drei Tage in Folge kam dieser aber nicht. Am vierten Tag kam der Unsterbliche zum Treffpunkt und begann zu lehren, da er von der Ehrlichkeit des Mannes beeindruckt war.
Daher sagten mir die Eltern, ich sollte früh aufstehen, um rechtzeitig im Park zu sein. Ich sagte, ich werde um drei Uhr aufwachen. Aber die Eltern sagten mir, ich müsse um drei Uhr schon im Park sein, um auf meinen Meister zu warten.
Abend, um halb acht, eine Stunde nach dem Abendessen, habe ich angefangen zu üben. Ich übte bis um halb elf, dann ging zum Bett. Um drei Uhr nachts weckte mich meine Mutter und sagte:
"Es ist drei Uhr, schnell aufstehen, hast du vergessen, was du zu tun hast?!“
Ich wachte sofort auf und wusch mir mit kaltem Wasser das Gesicht.
Beim Verlassen des Hauses, gab mir mein Vater einen Stock und sagte mir, ich soll aufpassen. Am ersten Tag hatte ich den ganzen Weg Angst. Ich hatte das Gefühl verfolgt zu werden. Auf einmal drehte ich mich um und schlug kräftig mit Schlagstock. Aber da war niemand. Es war nicht einfach am Übungsort anzukommen.
Als ich ankam, war keiner da. Der Master war nicht gekommen, und ich setzte mich auf einen kleinen Hügel. Merkwürdig war es aber, dass meine Hände sich spontan auf den Unterbauch, auf das "untere Zinnoberfeld" (Xia Dantian) legten. Bald fühlte ich einen Feuerball. Ich wusste nicht, ob er sich in den Händen oder im Bauchraum befindet. Da keiner der Meister zuvor mich über den Feuerball gelehrt hatten, so nahm ich mir vor, diesen aufmerksam zu beobachten. Nach fünf Minuten wurde der ganze Körper so warm, als ob er Feuer gefangen hätte. Zu diesem Zeitpunkt des Jahres war ziemlich kalt. Nachts musste man sich viel wärmer anziehen als tagsüber. Die Einheimischen trugen sogar Mäntel. Aber ich saß da und mir wurde es so warm; ich fing an sogar zu schwitzen. Auf einmal hatte ich das Gefühl, ich würde schweben, ich hatte die Vision im Himmel zu schweben, habe Bodhisattva und Buddha, einen Palast und mehrere Berge gesehen. Ich sah alles, als wäre es ein Film gewesen. Später ging ich nach Hainan und tatsächlich sah ich die Berge, die ich in dieser Nacht als Kind sah.
Sehr seltsam! Als ich in dieser Nacht im Park saß, fühlte ich mich sehr gut. Damals wusste ich nicht, wie man übt. Nach einer kurzen Zeit sprach mich jemand an und ich erwachte. Ich öffnete die Augen und sah, dass es bereits hellt wurde. In der Nähe waren einige Leute, die Kampfkunst praktizierten und deren Stimmen mich weckten. Alle staunten über den Jungen, der siezte da mit geschlossenen Augen. Da es schon 6 Uhr war und der Meister immer noch nicht da war, ging ich nach Hause.
Zuhause sprach ich mit meinen Eltern. Meine Mutter sagte mir, dass sich alles so abspielte wie in der Geschichte, die sie mir letzten Abend erzählte. "Du musst drei Tage warten!“, sagte sie mir.
Ich habe fünf Tage gewartet und erst am sechsten Tag kam der Meister. Als ich ihn sah, fühlte ich das Blut in den Kopf steigen vor Wut:
"Der Meister hat gesagt und nicht Wort gehalten. Ich kam jeden Tag um drei Uhr nachts um dich zu treffen!"
Master fragte mich:
"War es dir kalt?"
Ich antwortete, dass es mir nicht kalt war.
"Ich wartete mehrere Tage auf dich, damit du mich deine Lehre lehrst und du kamst nicht. Warum kamst du nicht?", fragte ich ihn.
"Wie hast du dich gefühlt? Saß du nicht dort auf dem kleinen Hügel?"
"Doch!", antwortete ich.
"Und hattest du nicht das Gefühl, einen Feuerball im Unterbauch zu haben?"
"Doch!"
"Und hat sich das Feuers nicht auf den gesamten Körper ausgebreitet und du begannst zu schwitzen?""Ja!"
"Na, das war die Art und Weise wie ich dich eingeführt habe!"In diesem Augenblick musste ich darüber nachdenken, wie geheimnisvoll mein Meister war. Dann habe ich ihn begrüßt so wie man einen Master begrüßt und bat ihn, mich zu akzeptieren."
Hier muss der Unterschied zwischen dem Lernenden und Schüler verstanden werden. Viele Praktizierende machen diese Unterscheidung im Hinblick auf die äußerliche Beziehung zwischen Meister - Schüler. In Wirklichkeit handelt sich hier um den Entwicklungsprozess, der in einem Lernenden stattfindet und der ihn zum Schüler befördert. Der Schüler ist der Lernende, dem es gelungen ist, sich von seinem „Ich“ zu befreien, über den "Schatten“ des Verstandes und dessen Realität zu springen. Jetzt ist er tatsächlich vorbereitet, die "Zeichen" der Wahrheit, die er vom Meister erhält, zu verstehen.All diese Veränderungen werden den Kandidaten in die Lage versetzen zu einem Schüler des Meisters zu werden.
DER MEISTER UND "DER WEG DES HIMMELS"
Aber der Meister ist nicht unbedingt eine Person. Der Meister als Mensch ist die gemeinsame Wahrnehmung von deren, dessen Bewusstsein das Niveau des materiellen Bewusstseins nicht überschreiten kann. Sie können nicht verstehen, und können sich nur materiellen Angelegenheiten öffnen. Deshalb brauchen sie einen Master aus Fleisch und Blut. Der Meister Yan Xin versuchte denen zu helfen, die auf diesem Stand sind und sagte:
„Wenn wir von einem Meister sprechen, sollen wir in Betracht ziehen, ob er nicht ein Grashalm ist oder die alte Dame, die am Tor vorbei geht, eine Kuh, die auf einer ruhigen Wiese grast usw."
Das Ziel dieser Worte ist, die Aufmerksamkeit von Praktizierenden hinter das Scheinbare zu lenken, zum Inneren des Wesens, um die Emotionen, die in verschiedenen Situationen vorkommen, zu beobachten. Die Praktizierenden werden einen Schritt nach vorne machen und werden das Verständnis für die materielle Existenz überschreiten.Für diejenigen, denen es gelungen ist sich in höheren Sphären zu bewegen, irgendwo zwischen Himmel und Erde, ist der Meister mehr als eine Person. Der Abstieg des Himmels, um seine Gnade zu schenken, wird die Art und Weise sein wie der Meister sich solchen Menschen offenbaren wird.
Der Himmel kümmert sich um alle Geschöpfe und steigt zu ihnen hinab. Aber dies kann nur von denen wahrgenommen werden, die zu ihm aufsteigen, um ihn zu empfangen. Für die Geschöpfe der Erde, die das Bewusstsein der Materialität als Sicherheit ihrer Existenz betrachten, für die ist kein "Zeichen", kein Wunder genug, um eine Veränderung in ihrer Art zu sein zu verursachen. Die Geschichte hat dies ganz und voll bewiesen!
Deshalb, so heißt es, dass der Meister den Schüler sucht und nicht umgekehrt. Der Himmel steigt ständig zu allen Geschöpfen hinab, um sie zu drängen ihre innere Natur zu entdecken, den Weg im Leben zu finden. Danach folgt eine Zeit des Wartens und des Zurückziehens, in der der Himmel nicht mehr zu spüren ist. Er lässt uns entscheiden, wie wir auf seine Hilfe reagieren.
Daher die „weisen Heiligen von damals" sagten: "Einmal Yin - einmal Yang, nennen wir diesen Weg".
Um welchen Weg geht es? Offensichtlich um den Weg des Himmels. Die authentischen Wege sind diese, die die Art der Manifestation des Himmels annehmen, die abwechselnd Yin und Yang sind. Am Anfang nimmt der Praktizierende Yin und Yang wahr durch seine Möglichkeiten zu erfahren, d. h. auf materieller Ebene. Er nutzt Erscheinung von Yin-Yang auf Körperebene. Nach einer Phase des Übens werden die Praktizierenden Yin und Yang auf Energieebene erleben. Der Weg führt weiter. Je mehr man übt, desto mehr verändert sich die Kapazität der Verständnisfähigkeit. Erreicht man die Weisheit, so wird man die Rhythmen der Natur (von innen und außen) übernehmen und entsprechend handeln. Mit der Zeit wird es dem Praktizierenden gelingen, die Realität von Yin und Yang auf dem Bewusstseinsebene zu erleben, um dann in die Meditation rüber zugehen, jenseits von Yin und Yang zu sein, in einem geistigen Raum und Zeit, dem Ursprung der Dinge. Nun ist die Brücke gebaut worden. Die ideale Fusion zwischen dem Innen und Außen ist erreicht worden. Der Praktizierende wird die Aufmerksamkeit auf den Meister richten und ihm für seine Gnade und für seine Unterstützung danken.
Cezar Culda
Dieser Text ist eine Übersetzung aus dem Buch „Traditionelle Chinesische Medizin und therapeutisches Qigong“ von Cezar Culda .