Taijiquan
Der Kampfkunst-Stil, der am nächsten zur Qigong-Praxis ist, ist Taijiquan („Boxen des philosophischen Prinzips des Taiji "- aussprechen Taidziciuen).
Taiji bedeutet absolute, endgültige Wahrheit, das große Prinzip. Das erste Mal ist es im Yijing („Buch der Wandlung") erwähnt:
"Transformation ist das große Prinzip (Taiji). Aus diesem wurden zwei Formen des Seins geboren (Yin und Yang)."
Die gleiche Auslegung ist bei Wang Zong Yue (18 sec.) zu finden, einer der großen Figuren der chinesischen Kampfkünste:
"Aus dem großen Prinzip (Taiji) wurde alles geboren (Wuji), Taiji ist die Mutter von Yin und Yang."
Quan bedeutet Boxen. Zusammenfassend kann Taijiquan als "Boxen des großen Prinzips" oder "Boxen der absoluten Wahrheit“ übersetzt werden.
Taijiquan zusammen mit Baguazhang (Hand der acht Trigramme) und Xingyiquan (Boxen, Form und Wille) bilden das System der inneren Stile (Neijiaquan) der chinesischen Kampfkunst (Wushu).
In einer mehr als dreihundert Jahre alten Geschichte erschienen in diesem Stil fünf Zweige: Chen, Yang, Wu, Sun und Wu (die chinesischen Schriftzeichen Wu der beiden benannten Stile sind unterschiedlich). Obwohl die Art der Ausführung anders ist, ist aber die Theorie dieser Unterstile identisch.
TAIJIQUAN – DIE KUNST DER HARMONIE
Teorie und Praxis des Taijiquan Basiert auf der Philosophie des Taiji-Symbols, auf dem Yin-Yang Wechsel. Dies tritt zum Erscheinung auf allen Ebenen: Körperbewegungen, Atmung, Bewegung der Energie, mental. Alles ist im "Traktat der Wandlung" ( Yi jing ) enthalten:
" Einmal Yin, einmal Yang, so nennen wir diesen Weg."
Das Gewicht wird mal auf einem Bein gehalten, mal auf dem anderen. Der Arm in Aktion (Yang) korrespondiert mit dem Fuß, welches das Gewicht nicht trägt (Yin), so im Bezug auf das Ganze sind Yin und Yang ausgewogen. Beim Rücktritt wird eingeatmet, beim Vorrücken wird ausgeatmet. Vor Beginn einer Bewegung (wenn der Körper unbeweglich ist - Yin) wird den nächsten Schritt visualisiert (der Geist ist aktiv - Yang). Wenn die Bewegung ausgeführt wird (der Körper ist Yang) der Geist beobachtet die ausgeführte Gesten (der Geist ist Yin). All diesen Mechanismus berücksichtigt die physiologischen Gesetzen des Körpers, das ist dass, was alle Aktionen des Taijiquan zur Harmonie bringt.
Darüber hinaus haben Studien gezeigt, dass während dem Üben des Taijiquan ein Teil der Großhirnrinde (das dauernd aktiv ist) gehemmt wird und ein Teil der Großhirnrinde wird angeregt, was bestimmte Prozesse im Inneren des Körpers reguliert. Auf diese Weise werden die innere Sekretion und die Funktion einigen wichtigen Systemen des Körpers reguliert. Ebenfalls die Art der Atmung führt zur Regulierung der Aktivität des Atmungssystems und zur sanften Massage der inneren Organe, verbessert dadurch die Verdauung und erhöht die Kapazität der Aufnahme der Nährstoffe. Die geistige Aktivität (Betrachtung einer Bewegung, bevor sie gemacht und dann ihre Anschauen beim Ausführung) führt zu einer Regulierung des Nervensystems, der Heilung der Schlaflosigkeit und anderen ähnliche Erkrankungen. Bewegung der Energie bei jeder Bewegung zum Bauch und dann zu Extremitäten verbessert die Zirkulation des Blutes. Verlagerung des Gewichtes von einem Fuß auf den anderen und die Art der Ausführung der Bewegungen ermöglicht die Regulation des Knochensystems.Dadurch wird einer der grundlegenden Prinzipien des Taijiquan erreicht: das Innere und das Äußere verschmelzen. Die innere und äußere Harmonie werden zur Harmonie des Ganzen!
Merkmale des Taijiquan
In der Praxis des Taijiquan ist der Körper entspannt, natürlich und geschmeidig. Bewegungen werden mit dem geraden Rumpf ausgeführt, die Kopfspitze nach oben ausgerichtet, als ob sie leicht nach oben gezogen wird, der Bauch eingezogen, Ellbogen und Schultern sind gesenkt, die Brust nach innen ausgerichtet, die Schulterblätter sind gerundet, der ganze Körper hat die Empfindung der Rundheit. Der Technikkomplex wird fließend und einheitlich ausgeführt. Die Atmung ist tief, vorzugsweise wird die Bauchatmung angewandt.
Das Prinzip der fließenden und entspannten Bewegung bedeutet nicht Trägheit und Gebrechlichkeit. Die Bewegungen sollen die Flexibilität und Kraft verbinden, die Kraft wird nur bei Bedarf angewendet, ohne Starrheit, aber auch nicht schlaff.
Körperbewegungen müssen während der Ausführung gut koordiniert sein. Obwohl die Bewegungen flexibel und langsam sind, bewegt sich doch jedes Körperteil kontinuierlich. Die Aufmerksamkeit sollte nicht nur auf die Körperteile in Bewegung gerichtet sein, sondern auch auf die Koordinierung dieser mit dem gesamten Körper.
Die Knie sind immer leicht gebeugt, auch wenn der Körper ganz gerade ist. Auf der mentalen Ebene ist der Geist ruhig, aber wachsam. Der Praktizierende darf nicht vergessen, dass „Taijiquan eine physische Übung des Geistes“ ist. Die Bewegungen sollten von einem sehr ruhigen Geist überwacht werden. Das, was in Bewegung ist (der Körper), ist in Harmonie mit dem, was sich nicht bewegt (ruhiger Geist). Beim Ausführen sollte keine Kontraktion zu sehen sein. Alles atmet Harmonie und Frieden, auch wenn sich hinter jeder Geste eine überraschende kämpferische Wirksamkeit verbirgt.
Anfangs bereitet es Schwierigkeit dies zu merken, aber dann werden die Bewegungen natürlich und der Praktizierende beginnt sie neu zu entdecken und bei jeder Ausführung des Taijiquan neu zu erschaffen.
Die Abhandlung über das Taijiquan von Zhang San Feng
Bei jeder Bewegung muss der ganze Körper leicht und beweglich und alle seine Teile wie aufgefädelte Perlen sein. Die Energie (Qi) muss erweckt und gepflegt werden und der Geist (Shen) muss ruhig und unbewegt bleiben. Kein Körperteil darf nach innen fallen oder hervorragen, und die Bewegungen dürfen nicht abgehackt oder unterbrochen sein.
Die eigentliche innere Energie ruht in den Beinen, sie entwickelt sich in den unteren Gliedern, wird von den Hüften gelenkt und äußert sich in den Fingern. In allen Bewegungen muss die Einheit zwischen den Beinen, Waden und Hüften beibehalten werden, um den richtigen Moment für die Wirkung der Energie zu erfassen und die richtige Haltung zu erreichen. Der Körper dessen, der sich diese Regeln nicht aneignen kann, wird unorganisiert und durcheinander sein. Der einzige Weg zur Vermeidung dieser Desintegration ist die Koordination der Beine mit der Hüfte. Die Regel gilt für alle Bewegungen, gleich ob sie nach oben oder nach unten, nach vorne oder nach hinten, nach links oder nach rechts ausgeführt werden.
Die Bewegungen werden vom Geist (Shen) vollzogen und nicht vom tatsächlichen Körper. Auch wenn man von oben angegriffen wird, vergisst man nicht was unten ist. Wenn du nach rechts gehst, solltest du auch die Absicht haben nach links zu gehen. Wenn du vorstößt, musst du dabei den Rückzug nicht vergessen. Wenn dein Angriff nach oben gehen soll, musst du ihn erst nach unten richten. Wenn du etwas heben willst geschieht Ähnliches: erst muss der Gegenstand nach unten gedrückt werden – dadurch wird er entwurzelt - , danach ist es leicht ihn vom Platz zu rücken.
Es ist sehr wichtig zwischen Leere und Fülle zu unterscheiden (Yin und Yang). Jeder Teil des Körpers hat sowohl einen Anteil der Fülle wie auch der Leere. Alle Teile des Körpers müssen vereint sein, ähnlich einer Perlenreihe auf einer Kette, ohne den geringsten Zwischenraum.
Jang Lu Chan (1792 – 1872) hat dem zugefügt:
„Dieser Teil wurde vom Meister Zhang Lau Feng vom Berge Wudang geschrieben, mit dem Wunsch, dass damit denjenigen, die Taijiquan praktizieren, geholfen wird ein langes Leben und die ewige Jugend zu erreichen. Der Einsatz des Taijiquan als Verteidigungs-Taktik ist nur zweitrangig.“
Das Lied über die dreizehn Bewegungsformen
Die dreizehn Bewegungsformen sollen nicht vernachlässigt werden.
- Sie müssen nach ihrer Herkunft aus der Hüfte verstanden werden.
- Sei sehr aufmerksam für den Übergang von der „Fülle“ zur „Leere“ und umgekehrt:
Dann wird die Energie ungestört durch den ganzen Körper fließen.
- Obwohl du dich verteidigst, dein Körper in Bewegung ist, bleibst du im Inneren unbewegt.
So wirst du die Bewegungen des Gegners schon bei ihren Wurzeln erraten,
Und muss nur deine vollkommene Technik anwenden um seinen Angriff vorzubeugen.
- Studiere sorgfältig jede Bewegungsform und versuch ihren verborgenen Sinn zu begreifen.
So wirst du diese Kunst erlernen ohne deine Energie für Fehler zu vergeuden.
- Sei dir zu jeder Zeit über deine Hüfte bewusst.
- Wenn der Bauch völlig entspannt ist, kann die Energie leicht steigen.
- Wenn die letzten Wirbel ausgerichtet sind, wird die Lebenskraft bis zur Kopfspitze steigen.
- In dem der Kopf wie von oben gehalten wird, wird der Körper leicht und beweglich.
- Studiere die Bewegungen sorgfältig und mit Tiefe.
- Die Bewegungen müssen ihren natürlichen Fluss folgen, unabhängig davon ob es sich um
Beugen oder Strecken, Öffnen oder Schließen handelt.
- Am Anfang ist es gut einen Lehrer zu haben. Dann durch stetiges und aufmerksamstes Üben
wird sich dein Wissen von selbst entwickeln.
- Welche ist aber die korrekte Nutzung des Körpers?
Die Antwort heißt: „Der Geist und die Energie leiten die Muskeln und die Knochen!“
- Denk immer an den wahren Sinn dieser Kunst:
Die Verlängerung des Lebens, Erhaltung der Jugend, Erlangung der Unsterblichkeit.
Achtest du diesen Text nicht, wird es dir eines Tages für die verlorene Zeit und Energie leid tun, weil dann alles umsonst war.